Neun Löschbezirke - Eine Feuerwehr   

Freiwillige Feuerwehr Gemeinde Beckingen

Mo, 25.10.2021 (mhi / #1241)
FEUERWEHR AKTUELL

Vier Löschbezirke in der Gemeinde Beckingen zusammengelegt – Startschuss für die Wehr „Oberes Tal“


Die Löschbezirke aus Erbringen, Hargarten, Oppen und Reimsbach sollen zusammengelegt werden. Das soll der Wehr einige neue Vorteile ermöglichen.

„Aus Vier mach Eins“ lautet die Devise der Freiwilligen Feuerwehr im oberen Haustadter Tal. Zu dem Zukunftsprojekt hat ein Team, das aus dem Wehrführer, den betroffenen Löschbezirksführern sowie Stellvertretern besteht, ein Fusionierungskonzept (siehe Text unterhalb) erarbeitet.

Wie die schon länger im Gespräch stehende Zusammenführung der Löschbezirke Erbringen, Hargarten, Oppen und Reimsbach zu nur noch einem über die Bühne gehen soll, wurde mit vielen der derzeit 113 aktiven Wehrleute der vier Gemeindebezirke bei einer gemeinsamen Startschuss-Versammlung im Vereinsheim des SSV Oppen erörtert. Wehrführer Martin Schneider zeigte sich über Besuch erfreut. Sein besonderer Gruß galt Bürgermeister Thomas Collmann als Chef der Wehr. „Die große Zahl der anwesenden Wehrleute zeigt, dass die Mannschaft hinter dem Vorhaben steht. Es gilt sich heute kennenzulernen und die Angst vor der Zukunft zu nehmen. Dabei ist auch die eine oder andere Frage zu klären“, betonte Schneider, ehe er das Wort an den Bürgermeister weitergab.

„Nach einem Jahr mit Corona-Einschränkungen ist es mir wichtig, heute hier zu sein. Keiner wusste, wie es weitergeht. Aber wir sind bei der Gemeinde Beckingen gut durchgekommen“, meinte Collmann und wies auf die personelle Veränderung in der Feuerwehrsachbearbeitung im Rathaus hin, die nun in den Händen von Lisa Kiefer als Mitarbeiterin mit Fachkenntnissen im Feuerwehrbereich wahrgenommen werde. Der Bürgermeister geht davon aus, dass die nächsten Jahreshauptversammlungen in den Löschbezirken unter den geltenden Schutzvorschriften wieder normal abgehalten werden können. „Das Wichtigste für euch Wehrleute ist heute die Zusammenlegung. Der Standort für das neue Gerätehaus als euer künftiges Zuhause ist noch nicht festgelegt, wird aber mit Sicherheit in Reimsbach sein. Wir werden die Zusammenarbeit zeitgerecht umsetzen. Wichtig ist, dass im nächsten Haushaltsplan, an dem wir mit Hochdruck arbeiten, entsprechende Gelder eingesetzt werden“, erklärte der Verwaltungschef. Dabei wies er auf weitere dringende Investitionsmaßnahmen in der Gemeinde hin.

Er betonte, dass ihm der Zusammenschluss der vier Löschbezirke mit entsprechend hohem Zuschuss für die Unterkunft eine Herzensangelegenheit sei und er hoffe, dass dies funktioniert. „Wir kriegen das nur hin, wenn alle mitmachen. Das gilt auch für die Politik, die informiert ist“, unterstrich Collmann. Er sprach den bei der Fluthilfe eingesetzten Wehrleuten aus der Gemeinde seinen Dank aus und meinte: „Wir haben mit unseren Möglichkeiten mitgeholfen, aber wir müssen uns auch in der Gemeinde Beckingen Gedanken über den Hochwasserschutz machen.“

Anschließend stellten sich die zwei Ausbildungsbeauftragten aus den Löschbezirken vor. Aufgeteilt in vier gemischten Gruppen zum Kennenlernen ging es in den Außenbereich, wo dann die Besonderheiten und größeren Objekte in den einzelnen Löschbezirken erläutert sowie Löschfahrzeuge in Augenschein genommen wurden.

Das künftige Ausbildungskonzept sieht ab dem Jahr 2022 gemeinsame Übungen zusammen oder mit jeweils zwei Löschbezirken vor. Die Übungen werden offen gestaltet, sodass nach Absprache mit dem Löschbezirksführer Übungen untereinander besucht werden können.

Welche Fahrzeuge später zur Verfügung stehen, sei bereits festgeschrieben. Wie der Wehrführer abschätzt, wird die Realisierung des neuen Gerätehauses, dessen Lage die Voraussetzung der vorgeschriebenen Ausrückzeit erfüllen muss und dessen Flächenbedarf, Baugrundstück und Bauweise noch nicht feststeht, etwa fünf Jahre dauern. „Wenn früher, um so besser und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm“, betonte er und bat: „Arbeitet alle mit. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit.“ Er dankte allen für ihr Kommen und dem SSV Oppen, der noch für einen Imbiss sorgte, für die Bereitstellung der Räumlichkeit und Bewirtung.



LÖSCHBEZIRK „OBERES TAL“ : DAS KONZEPT ZUR FUSIONIERUNG DER VIER WEHREN



Ziel des Konzeptes ist die Optimierung des Feuerwehrwesens in der Gemeinde Beckingen hinsichtlich Taktik, Ausstattung und Struktur im oberen Tal und somit die Sicherstellung der Verfügbarkeit. Es basiert auf dem Vorstoß des Bürgermeisters, ein modernes Gerätehaus im oberen Tal zu bauen, um die Einsatzkräfte zu bündeln und die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr Beckingen sicherzustellen.

Dem Konzept liegen vier Säulen zugrunde: Die vier Löschbezirke sollen eine gemeinsame Ausbildung betreiben und gemeinsam Einsätze abarbeiten, somit auf die Fusion hinwirken. Durch ein gemeinsames Konzept zur Ausstattung sollen Kosten reduziert werden. Der Fahrzeugbestand ist hinsichtlich der neuen Anforderungen zu optimieren. Die vier Löschbezirke schließen sich nach dem Neubau eines Feuerwehrgerätehauses zu einem gemeinsamen Löschbezirk der Feuerwehr Beckingen zusammen. Damit würde der neue Löschbezirk „Oberes Tal“ zu einem der personell stärksten Löschbezirke im Landkreis Merzig Wadern werden.

Die Einbindung in die Strukturen der Dorfgemeinschaft der vier Gemeindebezirke soll erhalten bleiben. Im Hinblick auf das Gefahrenpotenzial von Reimsbach, Oppen, Erbringen und Hargarten sowie die topographischen und strukturellen Gegebenheiten der Gemeinde Beckingen ist der Verzicht auf selbständige Löschbezirke im Bereich des oberen Tales möglich, wenn die geplante Verlängerung der Hilfsfrist (Zeitraum zwischen Eingang der Schadensmeldung und Erreichen des an einer Straße gelegenen Objektes mit dem ersten Fahrzeug) von momentan acht Minuten auf zehn Minuten erhöht wird. Hierzu muss das neue Gerätehaus zentral im neuen Ausrückebereich liegen. Personell stehen die Löschbezirke Reimsbach, Oppen und Erbringen derzeit auf gesunden Füßen. Der Löschbezirk Hargarten hat aufgrund der Demografie und Abwanderung jedoch ein problematisches Defizit bezüglich der Tagesalarmbereitschaft. Die Löschbezirke Reimsbach und Oppen betreiben aktive Jugendarbeit. Die Löschbezirke Erbringen und Hargarten verfügen über keine Jugendwehr. Im Rahmen der Neustrukturierung wird ein übergeordneter „Leiter Ausbildung“ ernannt. Dieser erstellt im Einvernehmen mit Wehrführung und Löschbezirksführern einen Ausbildungsplan, der für die vier Löschbezirke bindend ist. Durch gemeinsame Schulungen und Übungen werden Kontakte geknüpft und die Zusammenarbeit im Einsatz verbessert. Bestehende Trennungen und Vorbehalte werden abgeschwächt. Künftig wird die gesamte Ausbildung innerhalb der vier Löschbezirke vereinheitlicht und koordiniert. Es werden Zug- und Gruppen-Übungen abgehalten, um insbesondere den gemeinsamen Ersteinsatz zu trainieren. Darüber hinaus können auf Wunsch individuelle Übungen von den Löschbezirken abgehalten werden. Die Übung an Fahrzeugen erfolgt nach Taktik-Konzept. Die Atemschutzausbildung wird koordiniert und teilweise zusammen gemacht. Da die Einsätze der Feuerwehr sowohl hinsichtlich des Zeitpunktes als auch des Umfanges nicht planbar sind, ist eine strenge taktische Vorgehensweise notwendig, um geordnet, koordiniert und sicher zum Einsatz zu kommen. Hierzu ist es erforderlich, die bestehenden personellen und materiellen Ressourcen in einem gemeinsamen Taktik-Schema und einer daraus abgeleiteten Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) zu strukturieren. Diese muss hinsichtlich der angestrebten Fusionierung angepasst werden. Entscheidend für die Anzahl der Löschbezirke und die Standorte der Feuerwehrhäuser sind die Eintreffzeit, die von der Feuerwehr gefordert wird. Die Ausstattungs- und Planungsvorschrift definiert als angemessene Eintreffzeit für die erste eintreffende Einheit acht Minuten, die in bebauten Gebieten grundsätzlich eingehalten werden sollte. Hierbei handelt es sich um die Zeitspanne zwischen der Alarmierung des betroffenen Löschbezirks und dem Eintreffen an der Einsatzstelle. Die Eintreffzeit ergibt sich als Summe aus Ausrück- und Anfahrzeit. Die bei Freiwilligen Feuerwehren übliche Ausrückzeit beträgt vier bis fünf Minuten. Für die weiteren Betrachtungen wird eine für die Beckinger Wehr realistische Ausrückzeit von fünf Minuten angenommen. Hieraus resultieren maximale Anfahrzeiten gemäß Schutzzieldefinition für die Gemeinde.

Die Führungsstruktur des neuen Löschbezirks sollte so aufgestellt werden, dass für keinen der Ortsteile eine Benachteiligung entsteht. Des Weiteren muss die Einbindung des neuen Löschbezirkes in die Dorfgemeinschaft der vier Gemeindebezirke erhalten bleiben. Die integrative Wirkung der Feuerwehr innerhalb der Gemeinde ist von großer Bedeutung. Neben der Erfüllung der Pflichtaufgaben hat die Freiwillige Feuerwehr, einschließlich Jugendfeuerwehr und Alterskameraden eine wichtige soziale Funktion in der Gemeinde. Das Wirken der Feuerwehr im Vereinsleben selbst ist zudem vielfach ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Sie wirkt bei der Ausrichtung großer Veranstaltungen mit, die über die Gemeindegrenzen hinweg positiv ausstrahlen. „Konzepte, die in die Zukunft zielen, bergen allerdings die Gefahr, vom Fortschritt überholt zu werden. Entscheidungen, die heute noch richtig sind, können morgen schon als absolut falsch angesehen werden. Daher kann dieses Konzept niemals die endgültige Regel darstellen. Es soll jedoch als Richtschnur für das Entscheiden und Handeln seitens der Gemeindeverwaltung, des Gemeinderates und nicht zuletzt der Feuerwehr dienen. Wir legen es in die Hand der politischen Gemeinde, mit Konsequenz das erstellte Konzept zu verfolgen, fortzuschreiben und kritisch zu hinterfragen. Entscheidungen zur weiteren Ausstattung und die nachfolgenden Beschaffungen sollten in Hinblick auf Wirtschaftlichkeit, Taktik und Nachhaltigkeit getroffen werden, politische Überlegungen sollten außer Betracht bleiben“, betonen Wehrführer Schneider und seine Teamkollegen.

NBI

Vier Löschbezirke in der Gemeinde Beckingen zusammengelegt – Startschuss für die Wehr „Oberes Tal“

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