Neun Löschbezirke - Eine Feuerwehr   

Freiwillige Feuerwehr Gemeinde Beckingen

Mo, 18.06.2007 (dwa / #6475)
CHRONIK

Chronik Freiwillige Feuerwehr Hargarten


LB 9 Hargarten Am 01. September 1928 gründeten engagierte Männer im kleinsten Dorf im Haustadter Tal, den anderen Dörfern folgend, die Freiwillige Feuerwehr Hargarten. Bei der Gründung zählten sie 42 Mann, für das an Bevölkerungszahl nicht so große Hargarten (ca. 370 Einwohner) eine beachtliche Zahl. Sie löste die bestehende Pflichtfeuerwehr ab.
Pflichtfeuerwehren bestanden, nachdem unsere Heimat 1816 zum Königreich Preußen, (Regierungsbezirk Trier) kam, nach der Feuerordnung für den Regierungsbereich Trier vom 14. Juni 1837 auch in allen Orten der damaligen Bürgerstadt Hausstadt. Chef des Brandcorps war der Bürgermeister, in den einzelnen Orten ihm untergeordnet die Gemeindevorsteher. Der Bürgermeister verpflichtet die von den Ortsbürgermeistern vorgeschlagenen Bürger (Bauern, Handwerker und nicht durch Wechselschichten betroffene Männer) zum Dienst im Brandcorps (wenigstens drei Jahre). In Hargarten, im Archiv der FFW, liegt eine Bekanntmachung des Gemeindevorstehers Rein vom 05. März 1909 vor, in der die Mitglieder der Pflichtfeuerwehr veröffentlicht und, zum Dienst gemäß §32 des Ortsgesetztes betr. der Einrichtung des Feuerwesens, durch den Bürgermeister bestimmt wurden.
Die Freiwillige Feuerwehr Hargarten wählte aus ihren Reihen Johann Spuller zum Brandmeister, zu seinem Stellvertreter Brandmeister Johann Jakobs. Die beachtliche Anzahl der Feuerwehrmänner teilten die beiden Brandmeister in drei Gruppen auf, die sich ihre Gruppenführer (Nikolaus Schorn, Peter Naumann Und Paul Puhl) selbst bestimmten. Die Wahl des Wehrmannes Anton Schmitt zum Hornisten schließen auf eine Alarmierung durch Hornsignal hin (dazu kam ein stürmisches Läuten der kleinen Glocke der St. Annakapelle).Mit großem Elan begann die FFW Hargarten, nach der Übernahme des noch vorhandenen Materialbestandes der Pflichtfeuerwehr, mit der Ergänzung und dem Ausbau der für eine wirkungsvolle Brandbekämpfung nötigen Geräte. Da die Beschaffung und Unterhaltung der erforderlichen Löschgeräte, Bekleidung, Ausrüstung, Alarmeinrichtung und des Gerätehauses durch die Gemeinde erfolgte (mit Zuschüssen der Bürgermeisterei und des Landkreises Merzig), hinkte Hargarten dem Standard der anderen Feuerwehren immer hinterher. Trotz allem ließen sich die FFW- Männer in ihrem weiteren Aufbau nicht entmutigen und erhielten in kurzer Zeit für den Transport einen Gerätewagen und zu den schon vorhandenen Leitern drei Stehleitern, die bei einem Vollbrand eingesetzt wurden. Auch konnte die FFW Hargarten sich 30 neue Uniformen (Kopfbedeckung: Pickelhauben!) anschaffen und mit eigener Feuerwehrblaskapelle an den Feuerwehrfesten in den Nachbardörfern teilnehmen.
Im Regierungsbezirk Trier trat am 01. Januar 1934, nachdem die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, ein neues Feuerlöschgesetz in Kraft, das das alte Gesetz von 1847 ablöste. Dieses Gesetz galt zunächst nicht für die Bürgermeisterei Hausstadt, da sie und damit auch der Ort Hargarten, im Saargebiet liegend, damals von einer Regierungskommission, die unter der Aufsicht des Völkerbundes in Genf stand, verwaltet wurde. Erst nach der Rückkehr zum deutschen Reich, aufgrund einer Volksabstimmung, trat diese Gesetz mit allen Verordnungen in Kraft, das mit dem Gesetz für das Feuerlöschwesen vom 23.11.1938 die Feuerwehren mehr und mehr unter staatlicher Aufsicht stellten. Die Freiwillige Feuerwehr wurde eine „gemeindliche Einrichtung“, die als technische Hilfspolizeitruppe auch bei Hilfeleistungen in öffentlichen Notständen eingesetzt wurde. Diese Gesetzt brachte der FFW eine Fülle von neuen Aufgaben, die sich in den heutigen Berichten über die Einsätze der Feuerwehren spiegeln. Wenn auch das so genannte „Reichsfeuerlöschgesetz“ nicht nur dem friedensmäßigen Feuerschutz, sondern im Hinblick auf die Erfordernisse des Luftschutzes geschaffen wurde, brachte es den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr wenigstens die Gewissheit, das der Lohnausfall bei Brand- und Katastrophenbekämpfungen durch die Gemeinde erstattet wurde. Ferner wurde die Gemeinde verpflichtet, die Kosten bei Teilnahme an Feuerwehrlehrgängen zu übernehmen.
1935, nach der Rückkehr zum Deutschen Reich, wurden die Freiwilligen Feuerwehren des Haustadter Tales in der Amtswehr der Bürgermeisterei Hausstadt zusammengefasst und in Löschzüge aufgeteilt. Die FFW Hargarten war damals Halblöschzug 7 Hargarten, (22 Mann, örtlicher Trupp Johann Jakobs, Stellvertreter Nikolaus Diwo), in der Amtswehr Haustadt. Da in Hargarten während des Sommers ein ständiger Wassermangel vorlag, wurden auf Anordnung des Bürgermeisters von Haustadt kurz vor dem 2. Weltkrieg zwei Löschwasserteiche durch den RAD angelegt: - ein Teich unterhalb des Dorfbrunnens mit einem Fassungsvermögen von 20 cbm; ein Teich am Rissenthalerweg ( Rodenweiherquelle mit einem Zulauf von 13-15 Liter Wasser in der Sekunde).
Vor Beginn des 2. Weltkrieges gehörten der FFW Hargarten 27 aktive Feuerwehrleute an. Ihre Ausrüstung bestand aus einer Handruckspritze(auf einem Gerätewagen transportierbar), 2 Leitern mit je 10 Metern Steighöhe, 130 m Schlauch, Hydrantenschlüssel, Wassereimern, 2 Blattsägen, 10 Schaufeln, 6 Spaten,5 Kreuzhaken, 4 Pickel, 6 Hacken und 5 Beile.
In den ersten beiden Kriegsjahren wurden schon 14 Wehrleute zum Kriegsdienst einberufen. Mit Beginn des totalen Krieges nahm die Anzahl der einberufenen Feuerwehrmänner zu, sodass durch polizeiliche Verfügung nicht einberufene Männer zur Dienstleistung im Feuerwehrdienst verpflichtet wurden. Wie in anderen Orten der Bürgermeisterei , bildete sich auch in Hargarten in den Jahren 1943 und 1944 eine Feuerwehr; junge Frauen der Jahrgänge 1922 bis 1926 übten für den Ernstfall, der am 16. März 1945 (ein Tag vor dem Einrücken der Amerikaner) eintrat. Zwei Jagdbomber griffen das Oberdorf an und warfen Bomben auf die Dorfstraße: vor das Haus Kockler und zwischen die Häuser Reiber und Wilbois. Großer Sachschaden entstand. Mit Bordwaffen schossen die Jabos die Bauernhäuser Schuler und Bourgeois in Brand. Beim Löschen der Brände, durch die noch im Dorf verbliebenen Männer( Hargarten galt als evakuiertes Dorf) und einigen Soldaten, zeichneten sich auch die Feuerwehrfrauen durch ihren mutigen Einsatz aus.
Nach Ende des zweiten Weltkrieges musste die FFW Hargarten praktisch einen Wiederaufbau leisten. Geräte waren abhanden gekommen oder zerstört, Uniformen und Helme gegen Ende des Krieges an den Volkssturm abgegeben.
Dazu kam ein viel herberer Verlust: acht Feuerwehrkameraden waren im 2. Weltkrieg gefallen: Nikolaus Marmitt, Helmut Schneider, Josef Wilbois, Hermann Rein, Gerhard Kratz, Peter Herres, Karl Naumann und Josef Steffen. Requiem in Pace!
Nach dem 2. Weltkrieg, im Jahre 1946, zählten die Freiwillige Feuerwehr nur noch 14 aktive Mitglieder, 1947 wieder 25 Mitglieder. 1948 musste auf Anordnung der Alliierten Streitkräfte die Wehr auf 21 Mann reduziert werden. 1951 wurde für Hargarten eine feste Sollstärke von 25 Mann festgelegt.
Als erstes Gerätehaus diente der FFW Hargarten von der Pflichtfeuerwehr übernommener Zweckbau oberhalb der alten Schule: vier Mauern mit einer Tür, einfachem Ziegeldach, das lediglich dem „Spritzenwagen“ und den anderen Feuerwehrgeräten Platz bot. Dazu wurde das „Spritzenhaus“ vor dem 2. Weltkrieg als Notunterkunft (Strohlager) Obdachlosen für eine Nacht zur Verfügung gestellt oder vorübergehend als Arrestzelle zweckentfremdet. Am westlichen Giebel der alten Schule hingen nach Übungen und Einsätzen die nassen Feuerwehrschläuche an einer Schlauchrolle zum Trocknen.
In den ersten Nachkriegsjahren wurden die abhanden gekommenen Feuerwehrgeräte ergänzt, Kesselanzüge, Stahlhelme, neue Uniformen angeschafft. 1952 verbesserte sich beim Brandfall die Wasserversorgung durch den Bau einer Pumpstation und eines Hochbehälters „Auf dem Stederwald“. Schließlich bekam die FFW Hargarten am Fuß des Schulberges ein neues Feuerwehrgerätehaus, das am 29. August 1954 seiner Bestimmung übergeben wurde. 1962 wurde die Einsatzkraft der Hargarter Wehr durch die Anschaffung einer neuen Tragkraftspritze( mit Transportwagen) wesentlich gestärkt. Die Feuerwehren des Amtsbezirkes Beckingen stellten gemeinsame Übungspläne auf.
Feuerwehrleute, die sich spezialisiert hatten, referierten und demonstrierten ihre erworbenen Kenntnisse bei anderen Wehren. So wurde der damalige Hargarter Wehrführer Anton Schmitt als Referent für „Leinen und Abseilen, unter Anwendung einer Vielfalt von Knoten, Stichen und Rettungsschlingen“ eingesetzt. 1965 erhielt die FFW Hargarten vom Amtsbezirk ein älteres Löschfahrzeug – LF8 – Citroen- und zwar damit zum ersten Male motorisiert.
Nach der Neugliederung der Gemeinde des Saarlandes, in Kraft getreten am 01. Januar 1974, erfolgte auch ein für das Saarland geltendes neues Fahrschutzgesetz (15. Oktober 1975). Die Aufgaben der Feuerwehren wurde genau festgelegt: Verhütung und Bekämpfung von Bränden, Einsatz auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei Unglücksfällen und öffentlichen Notständen, Rettung von Menschen, Tieren und sonstigen Gütern.
Im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreform erhielt die Feuerwehr die offizielle Bezeichnung: „ Freiwillige Feuerwehr Beckingen, Löschbezirk Hargarten“. Erster Gemeindewehrführer war Herbert Emmel, Löschbezirksführer in Hargarten: Werner Dietrich. 1976 ersetzte ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug das alte Löschfahrzeug. Die Ausrüstung verbesserte sich auch durch die Anschaffung von Atemschutz und Funkgeräten. Aber das neue Fahrzeug entsprach im Laufe der Zeit nicht mehr den heutigen Einsatzanforderungen des Löschbezirkes und wurde immer reparaturanfälliger.
Das 1954 erbaute Feuerwehrhaus in der Ortsmitte (am Schulberg), entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen. Fahrzeug und Geräte standen zu eng beieinander, Sanitäranlagen und Schulungsraum fehlten. Das feuchte Gebäude verursachte Rostspuren am Feuerwehrauto und an Metallteilen der Feuerwehrgeräte. Die FFW Hargarten stellte darum durch den Ortsrat am 11.02.1981 einen Antrag an die Gemeinde Beckingen auf Neubau eines Feuerwehrgerätehauses. Aber erst als alle Gremien durchlaufen waren, begann die Gemeinde am 19.11.1985 in der Straße „Am Hügel“ mit dem Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses.
Das moderne Gebäude, eingeweiht am 24.09.1986, fügte sich harmonisch der Hanglage der gemeindlichen Anlagen Grundschule, Dorfplatz (heute Turnhalle) an und ein. Doch schon 1996, mit dem Eintritt von Frauen in die FFW, fehlten Umkleide- und Duschräume für die Feuerwehrfrauen. Die Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses durch die Vereinsgemeinschaft, Mitglieder der FFW und vieler uneigennütziger Helfer löste diese Probleme.
So stellt sich heute das schmucke Feuerwehrhaus „Am Hügel“ als eines der modernsten Feuerwehrhäuser der Gemeinde Beckingen dar: Fahrzeughalle, Schulungsraum (Aufenthaltsraum) für 40 Personen, Umkleideräume, Duschräume und Toiletten für Frauen und Männer, Kleinstküche mit Ausschank und Funkraum. Jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau besitzen einen Funkmeldeempfänger, so dass er oder sie durch die Kreiseinsatzzentrale Merzig meist in stiller Alarmierung, ganz selten noch durch die Sirene, zum Einsatz gerufen wird.
Im Dezember 2000 erhielt die FFW des Löschbezirkes Hargarten ein neues Löschfahrzeug. Aus Kostengründen bekam die FFW nicht das gewünschte LF-8 Fahrzeug. Aber das neue Fahrzeug TSF-W, mit Löschwassertank, optimaler Ausstattung (HDL – Anlage, Notstromerzeuger und a.) entsprach besser den heutigen Einsatzanforderungen auch außerhalb des bebauten Ortsbildes. Das neue Löschfahrzeug erhielt bei seiner Indienststellung den Namen Remmo; nach dem Taufpaten, dem langjährigen stellvertretenden Löschbezirksführer Raimond (Remo) Maire.
Seit Januar 1998 leitet Joachim Wagner als Löschbezirksführer mit seinem Stellvertreter Arno Weiß die FFW Hargarten.